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Heiraten auf Quellenviertlerisch

Außa Schiassn? Kranzlbraut? Brautstehlen?

Wer im Quellenviertel heiratet, begegnet vielleicht dem einen oder anderen Begriff, der anderswo ein paar Fragezeichen auslöst. Manche Hochzeitsbräuche werden seit Generationen weitergetragen – manches heute ein bisserl lockerer als früher.

  1. Brautlied singen: Es ist bis heute Brauch, dass die Braut die Nacht vor der Hochzeit in ihrem Elternhaus verbringt. Um ihr die Nervosität etwas zu nehmen, schließen sich bis heute Freundinnen und weibliche Verwandte zusammen, um der zukünftigen Braut das sogenannte „Brautlied“ zu singen. Der Text beschreibt die Verabschiedung vom jungfräulichen Leben hin zur Ehe. So eng sehen wir das heute freilich nicht mehr. Dennoch werden hier schon die ersten Tränen verdrückt und sich in den Armen gelegen. Ein emotionsgeladener Moment, bei dem man sich oft mit einem Stamperl Likör oder Glas Sekt ein bisschen Beruhigung verschafft.
  1. Hochzeitsschießen: Langschläfer sollten sich das Heiraten im Quellenviertel besser zweimal überlegen: denn bei uns ist es Brauch, das Brautpaar am Hochzeitstag in den frühen Morgenstunden aus dem Schlaf zu schießen. Das sogenannte „Außa Schiassn“ wird meist von den Männern der Schöpfung und einer Ladung Böller initiiert. Durch die Schüsse sollen böse Geister und dicke Luft vertrieben werden. Freilich kommt auch hier die Geselligkeit nicht zu kurz. Denn jetzt, wo die zukünftigen Eheleute schon mal wach sind, können sie ja auch noch gleich ein Seiterl und eine Jause servieren.
  1. Hochzeitszug: Was wäre eine Hochzeit ohne Musik? Kaum vorstellbar. Aus diesem Grund wird die Braut traditionellerweise bereits mit zwei - drei Blasmusikern zur Kirche gebracht. Dort wartet meist schon die Hochzeitsgesellschaft, samt Bräutigam und ortsansässiger Musikkapelle. Ein Tätigkeitsfeld des Prograders ist es beispielsweise, den Hochzeitszug anzuleiten und die Reihenfolge der Personengruppen kundzutun. So zieht die Musikkapelle mit viel Aufsehen voran, ihr folgen dann nach -nicht mehr ganz so strengem- Zeremoniell Pfarrer, Bräutigam, geladene Gäste und am Ende die Braut.

 

  1. Schen Dirndl / Kranzlbräute: Was wir heute als Brautjungfern aus amerikanischen Romantikfilmen kennen, hat in unserer Region eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter haben sich die sogenannten Kranzlbräute oder auch schene Dirndl genannt um das Brautpaar getummelt. Mit auffallenden Kleidern und Blumen geschmückt, sollten sie die Blicke der bösen Geister vom Brautpaar ablenken und so für eine harmonische Ehe sorgen. Auch wenn die Angst vor bösen Geistern heute nicht mehr in dem Maße gegeben ist, bilden die Kranzlbräute dennoch einen wichtigen Part am Hochzeitstag. Zumeist sind es die engsten Freundinnen der Braut, die den Tag mit unvergesslichen Erinnerungen füllen.
  2. Spalier: Es gehört in der Region dazu, dass das frisch verheiratete Brautpaar nach der Kirchlichen Trauung von Vereinsmitgliedern oder auch Freunden und Familie mit einem Spalier begrüßt wird. Dieser kann ganz unterschiedlich gestaltet sein, egal ob das Durchschreiten eines Feuerwehrschlauches oder bunte Blumen. Oft wird hierbei auch nochmal das Brautleid gesungen.
  1. Brautstehlen: Meist zur späteren Stunde kommt es bei Hochzeiten im Quellenviertel zu einem kleinen Höhepunkt.
    Beim sogenannten „Brautstehlen“ wird die Braut von den Brautführern des Bräutigams symbolisch entführt und aus dem Festsaal raus getanzt. So ist es auch noch zum Teil Tradition, sogar das Gasthaus im Ort zu wechseln. Hier wird musiziert, Gstanzl gesungen, Witze erzählt, gelacht und vor allem viel Wein getrunken. Sofern dem Bräutigam das Fehlen seiner Braut auffällt, muss der frisch Vermählt seine Angetraute durch das Erfüllen von Aufgaben wieder auslösen und seine Trinkfestigkeit unter Beweis stellen. In der Wissenschaft ist es strittig, wo der Ursprung des Brautstehlens liegt. Denn so sehr dieser Brauch heute mit viel Geselligkeit und Spaß in Verbindung steht, so dramatisch beschreibt die Geschichte das Brautstehlen. Nicht nur als Mahnung an den Bräutigam, gut auf seine Braut aufzupassen, kann die Tradition gedeutet werden. Noch düsterer gilt die Mutmaßung, dass dem Gutsherrn im Mittelalter „das Recht der ersten Nacht“ zustand und die Braut durch eine Geldzahlung ausgelöst werden musste.